Daisy rückt zu Peter ran. Er dreht sich zu ihr. Sein Blick bleibt abgewandt. So sitzen sie eine Weile, dann nimmt sie seine Hand.
Daisy:
Komm. Wir gehen fort von hier.
Peter:
(Legt seine andere Hand auf ihre. Nach einer Weile:)
Ok.
(Daisy legt wiederum ihre andere Hand auf seine. Es ist wie ein Eid. Dann stehen beide gemeinsam auf und bauen sich vor der Türe auf, durch die sie müssen. Es ist klar, dass sie dabei Wolf begegnen werden. Peter dreht den Schlüssel und zieht ihn heraus.
Sie treten zurück: -- Man hört Wolf an der Türe hantieren!)
Peter:
(Ruft.)
Die Tür ist offen!
Daisy:
Oh Mama, Scheiße!
(Die Werkstatttüre wird langsam geöffnet.)
Wolf:
(Lacht.)
Was ist denn in euch gefahren?
Ihr steht ja da wie vor einer Hinrichtung!
Mensch Junge, ich habe mir Sorgen gemacht!
Peter, jetzt schau doch nicht so finster!
Du meinst doch nicht etwa ...
Ist doch klar, dass du auch mal so ein junges hübsches Ding da haben willst! Ausrutscher gehören dazu.
Peter:
Wir haben nur gequatscht.
Wolf:
Nimm sie dir! Ich hatte in deinem Alter auch viele von der Sorte.
Peter:
Wir haben doch gar nichts gemacht.
Wolf:
Lass dir Zeit. Fortschritte brauchen ihre Zeit. Das ist mit deinen Trieben doch nicht anders als mit ... Was weiß ich, mit dem Autogen-Schweißen.
Peter:
Da ist überhaupt nichts gelaufen ...
Wolf:
Peter! Du brauchst dich nicht rechtfertigen.
Peter:
Wir haben uns unterhalten, mehr nicht.
Wolf:
Psst. Schon gut, Junge.
(zu Daisy)
Dein Name ist Daisy?
„Daisy“ ... Schön.
Daisy, es mag sein, dass dir hier einiges komisch vorgekommen ist.
Ist das so?
Daisy:
--
Wolf:
Du hast doch keine Angst vor mir?
(lacht)
Peter, vor mir muss man doch keine Angst haben, oder?
Peter:
Daisy, Wolf ist schon in Ordnung.
Wolf:
Kind, in dem Haus da nebenan ist meine Frau und macht Abendbrot. Wenn du möchtest, dann können wir rübergehen.
Daisy:
Geht schon.
Wolf:
Du solltest dir kein falsches Bild von Peter machen.
Peter hat sich auf einen schwierigen und ungewöhnlichen Weg begeben. Von außen mag da manches merkwürdig wirken.
Ich will nur nicht, dass du mit einem falschen Eindruck von ihm nach Hause gehst. Peter!
Peter:
Ist schon in Ordnung, Daisy.
Daisy:
Na, dann kann ich ja gehen, wenn hier alles so schön in Ordnung ist.
(Will gehen.)
Wolf:
Warte!
Es gibt hier einige Dinge, die niemand Drittes wissen sollte. Ich weiß nicht, ob Peter unser Projekt erwähnt hat.
Peter:
Ich hab nur so ganz allgemein was gesagt, Wolf.
Wolf:
Ok.
Es würde Peter und mich - und das Projekt - in ziemliche Schwierigkeiten bringen, wenn irgendwelche Einzelheiten nach außen dringen.
Peter:
Das weiß sie, Wolf. Ich habe es ihr gesagt.
Wolf:
Gut.
Es ist für uns wichtig, Daisy, dass du uns versprichst, mit niemand anderem über Dinge zu sprechen, die mit unserem Projekt zu tun haben.
Daisy:
Leck mich!
(Will gehen. Wolf hält sie fest.)
Peter:
Lass sie los!
Wolf:
(Lässt sie los.)
Ruhig Kinder, ganz ruhig.
Peter, ohne das Versprechen kann ich sie nicht gehen lassen. Du weißt, was daran hängt.
Peter:
Daisy, es tut mir so leid.
Daisy:
Spar's dir.
Peter:
Bitte Daisy, versprich es ihm!
Daisy:
Phh.
Peter:
Ich habe alles versaut. - Tu es für mich, bitte!
Daisy:
„Es war, als würde er unaufhörlich ihren Händen entgleiten. Sie wußte, noch war nichts verloren und sie war zu allem bereit. Doch er war es, der den nächsten Schritt gehen mußte, auch das wußte sie. Sie zitterte leicht, als sie ihn zum letzten Mal fragte:
„Soll ich das Selbstmordmädchen kommen lassen?“
(Pause.)
Peter:
„Ich will sie nicht sehen. Ich habe die Verbindung zur Welt schon lange gekappt.“
Daisy:
Das ist alles nicht wahr!
Ich verspreche, dass ich nichts von eurem Scheiß-Projekt erzählen werde. Reicht das?
Wolf:
Also.
Möchtest du noch mit uns essen?
Daisy:
Nein, vielen Dank.
Könnte ich jetzt vielleicht gehen?
Wolf:
Selbstverständlich. Schau doch mal wieder vorbei.
Daisy:
Sicher.
(Zu Peter)
Na dann ...
(Daisy ab. Pause. Peter steht zerschossen am vorderen Bühnenrand und verdaut sein Versagen. Wolf lässt ihm Zeit.)
Wolf:
Junge, Junge, Junge ...
(Wolf nimmt Peter bei den Schultern.)
Peter:
(Ruckt sich los. Hackt seinen Zeigefinger vor Wolfs Stirn.)
Fass mich nicht an!
(Geht. Kehrt zurück. Hackt seinen Zeigefinger wiederum vor Wolfs Stirn.)
Ich gehöre nicht mehr in deine Werkstatt!
(Ab.)
Wolf:
(Erst entgeistert. Dann schüttet er sich aus vor Lachen.)
Ihr Kindsköpfe!
Spielen hier großes Theater!
Ist das denn zu fassen?
„Ich gehöre nicht mehr in deine Werkstatt!“
Übermorgen stehst du ja doch wieder vor der Tür.
„Fass mich nicht an!“
Wofür hältst du dich eigentlich?
Wer wärst du denn ohne mich?
Jungen, mein Lieber, Jungen, die nicht wissen, wohin mit sich, Jungen wie dich, die gibt es wie Sand am Meer!
(Black.)
die verbindung zur welt von Jens Wirsching steht im Netz seit dem 08. April 2009 unter der freien Creative Commons Namensnennung-Weitergabe unter gleichen Bedingungen 3.0 Deutschland Lizenz.
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