Daisy:
Auch einen Schluck?
(Sie trinken.)
Daisy:
Lach mal!
Peter:
Phh.
(Pause.)
Daisy:
Kann ich auch mal flanschen mit der Nut und der Feile?
Peter:
(Lacht.)
Klar, flansch mal mit der Nut und der Feile.
(Sie flanschen gemeinsam ein bischen an dem versauten Werkstück rum. Peter ist ein geduldiger Lehrer.)
Peter:
Musst ein bischen steiler ansetzen. Hier sind noch Grate. Vorsicht mit der Hand.
Daisy:
So?
Peter:
Mhm. Nicht schlecht. Die Feile ein bischen ruhiger führen. Sind ja keine Fingernägel ...
Daisy:
Und?
Peter:
(Nimmt das Werkstück, kontrolliert die Grate, ist auf jeden Fall zufrieden.)
Sieht gut aus.
Daisy:
Komm ich damit durch bei dir?
(Die beiden schauen sich in die Augen.)
Küss mich doch!
Peter:
(Zieht sich in sich zusammen. Wendet sich ab.)
Daisy:
(Nimmt Abstand. Eine Weile ohne Impuls. Subtext:
„Er findet mich nicht toll. War doch klar, dass der nicht aus dem Quark kommt. Peinliche Scheiße!“
Peter:
(Monolog-Freeze)
Wir waren uns so nah.
Ihre Hand auf meiner Schulter, ihre Augen...
Sie riecht so gut. Da wird mir fast schwindelig, so gut.
Und dann so ein Scheiß!
Zunge in den Hals stecken: Das macht alles kaputt.
Mir ist kalt.
Daisy:
Also ich mach dann mal los.
Peter:
Schon?
Daisy:
Wie „Schon“? Passiert ja nichts.
Ich weiß überhaupt nicht, was du eigentlich von mir willst.
Stehst bloß so da!
Ich dachte, wir machen was zusammen.
Peter:
Haben wir doch.
Daisy:
Toll. Meinst du, ich bin zum Flanschen hier her gekommen?
Ich habe gedacht, wir machen es uns ein bisschen gemütlich.
Peter:
Kann es nicht auch mal ohne Küssen schön sein?
Daisy:
Was ist denn so Schlimmes daran?
Ist das so unnormal oder was?
Peter:
Nee.
Daisy:
Ich glaub, ich bin nicht die Richtige für dich.
Musst mich ja nicht mögen. Sag's doch einfach.
(Will ab.)
Peter:
Warte!
Du verstehst mich ganz falsch!
Daisy:
Dann erklär's mir doch mal.
Peter:
Komm! Setz dich doch. Bitte setz dich noch einmal hin.
(Beide setzen sich auf die Bank.)
Ich finde dich ... Ich finde dich toll.
Daisy:
Komisch. Merk ich gar nichts von.
Peter:
Ich hab nur eben keinen Bock auf Küssen.
Daisy:
Hast noch nie? Traust dich nicht?
Peter:
Klar hab ich schon.
Daisy:
Mit wem?
Peter:
Ist unwichtig.
Daisy:
Ist doch wohl nicht unwichtig, mit wem man so rumknutscht.
Peter:
Wir knutschen nicht einfach so rum.
Daisy:
Mit Jenny?
Peter:
Ich hab nichts mit Jenny!
Daisy:
Mit wem denn dann?
Peter:
Ich habe mit Keiner was!
Daisy:
Willste mich verarschen?
Du magst mich – willst mich aber nicht küssen, hast schon geknutscht, aber mit Keiner.
(Pause. Der Groschen fällt.)
Du hast was mit nem Typen!
Peter:
Ich hab nichts mit dem!
Daisy:
Du bist mit nem Typen zusammen.
Peter:
Wir sind nicht zusammen, das ist etwas ganz anderes.
Daisy:
Fick die Henne! Der Peter ist schwul!
(Amüsiert:)
Das ist nicht wahr! Sag, dass das nicht wahr ist!
Peter:
Was soll denn der Scheiß! Das hat mit schwul gar nichts zu tun!
Daisy:
Ach nee, sondern?
Peter:
Das verstehst du doch nicht.
Daisy:
Dass ihr rumknutscht? Was gibt's denn da zu verstehen? Bin doch nicht blöd!
Peter:
Es geht darum, unabhängig zu sein, auch unabhängig von seinem Trieb:
Nicht immer an Mädchen denken.
Daisy:
Und dafür knutschst du dann mit 'nem Typen rum? Dass ich nicht lache.
Peter:
Sich selbst genügen.
Handlungsfähig bleiben und sein Ziel im Auge behalten.
Ein Typ, der immer an Mädchen denken muss, so einer ist für das, was wir hier vorhaben, unbrauchbar: Unzuverlässig.
Bei uns ist die Voraussetzung, dass man mit sich selber klar kommt, auch körperlich. Wie bei Astronauten. Oder wenn du zu einer Spezialeinheit willst, verstehst du? Dass man niemanden sonst braucht.
Dass man auch vor einem schönen Mädchen nicht schwach wird, verstehst du? Anders funktioniert es nicht.
Man muss sich aufeinander verlassen können: Hundert-prozentig, blind.
Daran arbeiten wir. Wolf ist längst so weit, der braucht niemand.
Ich mach das mit dem Knutschen und diesem Scheiß ja jetzt nicht gerne oder so.
Es gehört eben zur Ausbildung.
Daisy:
Was für eine gequirlte Scheiße!
Erzählt er dir diesen Mist?
Peter:
Wusste ich doch, dass du nichts kapierst!
die verbindung zur welt von Jens Wirsching steht im Netz seit dem 08. April 2009 unter der freien Creative Commons Namensnennung-Weitergabe unter gleichen Bedingungen 3.0 Deutschland Lizenz.
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