Angel war zehn gewesen, als sie aus dem Altländischen nach dem geschniegelten, selbstgefälligen Düsseldorf gezogen waren. Man hatte den Kindern gesagt, das sei, weil der Vater in Düsseldorf eine bessere Stelle bekäme. Das war sicher nicht die ganze Wahrheit gewesen, aber das tut hier nichts zur Sache.
Kinder sollte man nicht verstehen wollen. Klein Angel hatte erwartet, umziehen sei wie Weihnachten: voller Überraschungen. Wer weiß, vielleicht hatte er damals bereits auf den ganz großen Trip gewartet?
Dass nicht alle Überraschungen glücklich machen, sollte seine nächste Lektion werden. Fakt ist, dass Angel im Altländischen ein Kind mit allem Luxus gewesen war. Er hatte ohne Ende Freunde, war ohne Ende Klassensprecher, die Mädchen schrieben ihm Liebesbriefe, er war der Drittstärkste, und neben dem Haus, wo er wohnte, begann ein unaufgeräumtes Waldstückchen. Nur sein Vater prophezeite einmal in bedauerndem Tonfall, dass es doch merkwürdig sei, dass oft Kinder, die ganz Sonnenschein waren, eines Tages so traurig werden würden. Wie um alles in der Welt kann man so etwas sagen?
Der Umzug wurde die Total-Katastrophe, das kennt man. Aber wer Kinder kennt, der weiß, was die wegstecken können. Alles, die können alles wegstecken, die überleben und fangen von vorne an, sich das her zu organisieren, was sie brauchen, egal wie. Und da liegt der Hund begraben: egal wie.
Angel und Yve von Jens Wirsching steht im Netz seit dem 25. März 2009 unter der freien Creative Commons Namensnennung-Weitergabe unter gleichen Bedingungen 3.0 Deutschland Lizenz.
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