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Angel 5

Der Weltschmerz begann: Ihr seid alle so scheiße. Fahrt vorbei ihr Spießer, fahrt zur Hölle! Bin ich froh, dass ich in keiner von euren geleckten Karren sitze! So lange brav labern, immer schon vorher wissen, was ihr hören wollt, es dann so sagen, dass es euch trotzdem überrascht, damit ihr nicht merken braucht, dass ich euch nach dem Mund rede. Beim Aussteigen seid ihr ganz befriedigt, einen so außergewöhnlichen Jungen kennen gelernt zu haben, und dann wollt ihr mir noch etwas gutes tun und sagt, ich soll so weitermachen oder so bleiben oder irgendso einen Mist. So bleiben? So weitermachen? Was mache ich denn? Ich befriedige euch mental, ihr Drecklutscher. Ich bin eure kleine Seelennutte, und nur, weil ihr mich nicht anständig bezahlt, denkt ihr, ich mache das gerne.

Alsdann wendete sich die Aggression nach innen und nahm Angel auseinander: Na, Angel? Wollen wir nicht mal ehrlich sein? Kleine Nutte? Steigst du nicht mit diesem Hochgefühl aus jedem Auto? Wenn du's wieder einem gemacht hast? Sieh hin, wie du, nachdem du die Tür ein stückweit geöffnet hast, dich noch einmal zum Fahrer wendest, durch seine Augen in seine Nervenbahnen hinabstößt, befriedigt registrierst, dass du ganz unten in seiner Seele angekommen bist, dich mit einer kurzen mentalen Intensitätszufuhr da noch einmal reinschraubst, und ihn dann, wenn er gerade überhaupt nicht blickt, was das war, sitzen lässt, aussteigst, eine bedeutungsvolle Grußformel sprichst und die Tür zuschlägst? Wie ist das dann? Wieder einen geknackt zu haben? Du siehst an deinem schmuddeligen outfit runter und bist begeistert von dir, du bist allmächtig, du kriegst sie alle, Geschäftsmänner, Beamte, die gutaussehende Promoterin des Pharmazie-Unternehmens, sie alle setzen ihren Weg fort, nicht ohne nach deinem Namen gefragt zu haben, denn sie wollen ihn ab und zu noch einmal vor sich hersagen, dabei ein wenig abwesend lächeln und sich daran erinnern, wie sie von dir innen berührt worden sind. Angel. Angel, der Psycholutscher.

Angel lachte verächtlich. Er ließ sich auf seinen Rucksack nieder und drehte den vorüberfahrenden Fahrzeugen den Rücken zu. Mit einem Stöckchen porkelte er in einem festgetrockneten Kothaufen, den er dann gelangweilt aus seinem Gesichtsfeld schob. Aus seiner Hosentasche suchte er einen zerknüllten Zettel hervor, auf den eine Adresse gedruckt war.

 

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Angel und Yve von Jens Wirsching steht im Netz seit dem 25. März 2009 unter der freien Creative Commons Namensnennung-Weitergabe unter gleichen Bedingungen 3.0 Deutschland Lizenz.
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