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Angel 8

Er musste schon geschlafen haben, als Luc im Schein einer Kerze das Zimmer betrat. Langsam und undeutlich wurde er wach, und es dauerte eine Weile, bis er beieinander hatte, wer da auf welcher Bettkante saß und ihn behutsam streichelte. Er hütete sich, seine Augen aufzumachen. Luc atmete schwer. Immer wieder flüsterte er ein zärtliches Mein-armer-Kleiner-Junge und ließ dabei seine schwere Hand über die Bettdecke gleiten. Dann drehte er vorsichtig den Jungen auf den Rücken, sodass seine Hand immer wieder auch die Erhebung streifte, die Angels Glied unter der Bettdecke ausmachte. Angel zwang sich, ruhig weiterzuatmen. Wenn man es beherrscht, kann man mit seinem Atem alle Regungen seines Körpers kontrollieren. Das wusste er von seinem Therapeuten, der ihn autogenes Training gelehrt hatte.

"Mein armer kleiner Junge", hörte Angel Luc noch einmal sagen, bevor der seine Hand unter die Bettdecke schob. Angel wusste eigentlich, dass er jetzt genau zwei Möglichkeiten hatte. Entweder, er würde aufstehen und seine Sachen packen, oder das weitere über sich ergehen lassen. Aus welchen Gründen auch immer versuchte er es mit einer dritten Möglichkeit. Er drehte sich auf die von Luc abgewandte Seite. Er meinte, dass das vielleicht klar sein müsse, dass das bedeuten solle, dass er nicht wolle, dass Luc weitermache. Luc aber dachte offensichtlich, dass das bedeuten solle, dass Sven wolle, dass er, Luc, seinen, also Svens, Po streichle.

Und das tat er. Und er tat es mit Genuss, und er griff Sven von hinten durch die Beine, und er atmete immer schwerer und schob auch seine andere Hand unter die Decke, zog dann die Decke ganz zurück, um im Kerzenschein Svens Körper zu betrachten, und er drehte Sven wieder auf den Rücken, und der wusste, was er jetzt zu tun hatte, er schickte Angel sonstwohin, damit nur sein Körper dalag, und er dachte, so schlimm ist's ja nicht und versuchte nicht länger, die Erregung seines Gliedes, die durch die Berührung entstand, zurückzuhalten, sondern sie zuzulassen, weil es ja dann schneller geht, oder weil es ja nur natürlich ist, dass sein Glied steif wurde, und weil es spießig ist, sich darüber irgendwelche Gedanken zu machen oder sich die Lust im Glied zu verbieten oder weiß der Henker warum, jedenfalls ließ er es am besten zu, und Luc wusste ja schon immer, dass Sven einverstanden war, und dass er das eigentlich wollte, und er tat es auch für Sven, als er jetzt dessen Glied aus der beengenden Unterhose fischte und mit seinen Fingern daran auf- und abglitt.

Sven begann, sein Becken zu bewegen und solcherart Lucs Hand entgegenzukommen. Es war ja so: hatte man sich einmal entschieden, dass das ganz o.k. ist, wenn einer einem einen runterholt, weil es ja ganz o.k. ist, dass das nur eine rein körperliche Lust ist, weil der Körper ja auch seine Rechte hat und nicht immer nur der Kopf, der ja dem Körper sonst alles verbietet, wenn man sich dazu einmal entschieden hat, dann ist es nur konsequent, sich dieser rein körperlichen Lust zuträglich zu verhalten.

Luc war begeistert von Svens Zustimmung. Er hatte sich das komplizierter vorgestellt, aber ganz offensichtlich war Sven schon eingespielt, ohne gleich so skrupellos zu sein, wie diese abgefuckten Stricher. Das war ein herrliches Gemisch bei Sven, ein wenig widerständig, nicht zu sehr, man konnte da noch etwas überwinden, aber dann brauchte man auch nicht übermäßig diskutieren. Er hatte ganz den richtigen Riecher gehabt, als er Sven von den Milchproduktregalen weggeholt hatte.

Also beugte er sich runter und nahm Svens Glied in seinen Mund. Svens Becken hielt einen Moment lang in der Bewegung inne. Das war neu. Er beschloss, dass sich so die Scheide einer Frau anfühlen müsse, warm und feucht. Er stellte sich vor, mit einem schönen Mädchen zu schlafen, aber es wollte nicht recht gelingen. Dann tat er, was er nicht tun sollte. Er hob seinen Kopf und öffnete die Augen.

Mit einem Mal war Angel wieder da, sah wie im Halbdunkel ein fettiger Kerl vertieft an seinem Schwanz rumlutschte, und fühlte sich fremd, sich selber fremd. Er sah im Zimmer herum, sah dann wieder auf den Mann, der nichts mitbekam, und dachte an seinen Schwanz, der da in anderleuts Mund rumglitschte und nichts, aber auch gar nichts mit ihm zu tun hatte. Er ließ sich zurück auf das Kissen sinken und überlegte anhaltslos, was zu tun sei. Es fiel ihm aber nichts ein.

Diese Gelegenheit nutzte Sven, um Angel zu verstehen zu geben, dass der hier nichts zu suchen habe, dass das eine rein körperliche Angelegenheit sei, wo er nur blockiere, und dass sein Körper durch das erregierte Glied ja deutlich signalisiere, dass ihm das soweit gefalle. Müde, ratlos und resigniert zog sich Angel wieder zurück, und Sven bemühte sich, durch rhythmisches Beckenkippen Anschluss an die verflossene Erregung zu finden. Irgendwann kam es ihm, und Luc schluckte befriedigt das quaddelige Zeug.

Sven hatte seinen Job getan und wollte gerade Angel das Feld überlassen, als dieser feststellen musste, dass Luc die Hose herunter gelassen hatte und zu verstehen gab, dass Sven so wunderbar sei, dass er ihn so liebe, und dass er das jetzt nur für Sven getan habe, und ob der das nicht auch für ihn tun wolle.

Angel fand, dass das wieder eine rein körperliche Angelegenheit sein würde, und dass er sich deshalb noch einmal verabschieden, und Sven das bestimmt hinbekommen würde. Sven war irritiert. Ohne Zweifel müsste es als angenehm erlebbar sein, anderen Männern am Geschlechtsteil herumzumachen, und der Unterschied zwischen einem Schwanz und einer Muschi war zwar objektiv gegeben, aber das eine begehrenswert, das andere abstoßend zu finden, dafür gab es keinerlei rationale Grundlage. Er schloss also die Augen und begann, Luc einen runterzuholen.

Es war nicht angenehm. Sven warf sich vor, dass er, ja sogar er borniert sei. Er bemühte sich, das ganze rein sachlich zu sehen. Ob nicht auch ein Schwanz schön sein könne, schließlich habe er selber einen, den er irgendwann einer Frau zumuten wollen würde. Er verständigte sich darauf, dass auch ein Schwanz schön sei, er es nur noch nicht richtig wahrnehmen könne. Sven gab sich alle Mühe. Damit hörte er erst auf, als Luc ihm seinen Schwanz kurz vor der Ejakulation oral verabreichen wollte. Er rief Angel zu Hilfe. Der kam widerwillig und machte dem Spuk ein Ende, packte seine Sachen und verließ Luc.

Luc stand mit noch immer angeschwollenem Glied in der Wohnungstür, hielt Angel fest, er solle doch bleiben, er, Luc, habe ihm nicht weh tun wollen, er habe gedacht, auch er, Sven, habe es gern gehabt, er solle doch um diese Uhrzeit nicht mehr allein auf die Straße gehen, was einem da alles zustoßen könne, und er, Luc, brauche ihn doch, er liebe ihn doch, und er wolle auch wirklich auf der Couch schlafen. Da war Angel an der Haustüre angelangt, trat auf die Straße, und genoss es, die würzige Nachtluft einzuatmen.

 

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Angel und Yve von Jens Wirsching steht im Netz seit dem 25. März 2009 unter der freien Creative Commons Namensnennung-Weitergabe unter gleichen Bedingungen 3.0 Deutschland Lizenz.
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