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Der Tod der Liebenden

Ansager / Paris:

Und zuletzt, meine Damen und Herren,

Sehen Sie, wie Romeo an Julias Grab

in seinem Kummer Gift trinkt,

wie Julia sich daraufhin mit dem Dolch ihres Liebsten ersticht,

und wie in Anbetracht der toten Kinder

die Familien endlich Frieden schließen...

 

Was meine Person betrifft, ich war auch dabei.

 

Romeo:

Was wollen Sie denn hier an Julias Grab?

Wer sind Sie überhaupt?

 

Paris:

Ich bin Paris, der am Grabe seiner Braut steht,

bevor auch er seinen letzten Gang geht.

 

Romeo:

Julia ist meine Braut.

 

Paris:

Schon gut, schon gut.

Vom Leben versteh ich wenig.

Wie übrigens auch vom Sterben.

Könnten Sie mir vielleicht

Ihren Dolch in den Rücken stoßen?

 

Ich würd auch gut bezahlen.

 

Romeo:

Durch mich wurde genug gestorben

für ein ganzes Leben.

Ich selber kam,

um mir den Rest zu geben.

 

Und nun verschwinden Sie!

 

Paris:

Schon gut, ich geh ja schon.

(Paris ab.)

 

Romeo:

Geliebte, wie schön du bist,

als hätt des Todes grause Zunge

noch nicht an dir genascht.

Wie eine frische Blüte liegst du da -

die schläft nur in der kühlen Juninacht.

 

Julia, meine schöne Frau.

 

Wohin du gehst,

will ich dir folgen,

von nun an immerdar.

Du wähltest Gift,

so nehm ich Gift.

Lebwohl, geizige Endlichkeit.

 

(Trinkt Gift, stirbt.)

 

Julia:

(erwacht.)

Wo bin ich?

Wie spät ist es?

Habe ich geschlafen?

 

Ach ich erinner mich, das Gift!

Doch wo bleibt Romeo?

Hier ist er ja. Wie schön er schläft!

So treu und hingegeben:

Es wurd die Nacht ihm lang...

 

Romeo? Romeo!

So kalt!

Und was ist das,

dies Fläschchen hier,

so fürchterlich vertraut?

 

Romeo? Oh Gott bewahre mich!

Mein Liebster, bist du tot?

Hat meine Nachricht

dich denn nicht erreicht?

Du bist tot!

 

(nimmt die leere Flasche an den Mund)

Kein Tröpfchen Gift hast du

für mich zurück gelassen!

Und hier auf deinen Lippen: Nichts?

So gib mir deinen Dolch.

 

Verhasste Welt,

auf Nimmer Wiedersehn!

 

(Sticht sich den Dolch durchs Herz. Stirbt.)

 

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