Ich weiß, ihr werdet es kaum glauben,
dass ich dieses Deutschland lieb,
ich saß im Zug nach Wuppertal,
als ich dieses Liedchen schrieb.
Ich lieb das Grau der Starkstrommasten,
der winterkahlen Büsche auch,
die endlos brache Ackererde,
ihre Kartoffeln in meinem Bauch.
Ich lieb den Regen und die Steine
und das nasse Laternenlicht,
auch den trostlos trüben Glanz,
wenn es sich auf Asphalt bricht.
Ich lieb die wachen, frechen Spatzen
in ihrem Streit um unsern Müll,
und grüner Polizisten Fratzen
ordnungshütendes Gebrüll.
Ich liebe den verbotnen Staub
auf Aldis Supermarktregal,
und werd ich mal beim Klau´n erwischt,
ach Gottchen, ist doch egal.
Das Meckern und das Besserwissen
und die Zerknirschten liebe ich,
und mehr noch dieses roten Mädchens
trotzig lachendes Gesicht.
Ich lieb die drückend schwere Last
deutscher Vergangenheit,
weil sie zu Dauerzweifeln mich,
zu Wut und Aufstand treibt.
Ich lieb die bösen Autonomen,
die kämpfen gegen Bürgers Ruh,
und wenn sie mal "Scheiß Deutschland!" fluchen,
stimm ich halb lachend, halb weinend zu.
Zu guter Letzt sei noch gesagt:
Ich lieb, und dann ist Schluss,
dies Land, wo ich geworden bin,
und wo ich weiter werden muss.
Hymne von Jens Wirsching steht im Netz seit dem 23. März 2009 unter der freien Creative Commons Namensnennung-Weitergabe unter gleichen Bedingungen 3.0 Deutschland Lizenz.
Mehr über meinen Gebrauch freier Lizenzen erfahren Sie unter hier http://www.engel-und-krise.de/lizenzen.html.
Wenn Sie Ihrerseits gerne etwas geben möchten, finden Sie hier meinen Hut.
