Der Meier, der hat seine Frau umgebracht.
Drumrum steht und gafft der Menschen Brut.
Der Meier, der schreit, und der weint, und der lacht,
vom Kinn tropfen Tränen, von den Händen, da tropft ihm Blut.
Gestern noch hat man sie fernsehehn sehn,
stumm auf dem Sofa und Bier auf dem Tisch:
"Komm Liebling, lass uns schlafen gehn!"
Verfault roch die Liebe nach totem Fisch.
Der Meier, der fand keinen Schlaf, diese Nacht.
Er schwitzte nur kalt, und er wälzte sich.
Er hat an das Kind und ans Sterben gedacht,
und er zischte ins Kissen: "Ich hasse dich!"
Der Morgen, der kam, und man frühstückte stumm:
Drei Zimmer, Küche, Diele, Bad, WC.
Im Küchenschrank lag ein Messer herum,
und der Abschied kam, und der Abschied, der tat weh.
Es geschah auf dem Weg wie immer zum Bus:
Beim Küsschen der Meier das Messer zog;
und flüsternd erstach er, "Marlenchen, ich muss!",
sie, die ein letztes "Ach, Liebling!" log.
Der Meier, der hat seine Frau umgebracht.
Drumrum steht und gafft der Menschen Brut.
Der Meier, der schreit, und der weint, und der lacht,
vom Kinn tropfen Tränen, von den Händen, da tropft ihm Blut.
Moritat vom Meier von Jens Wirsching steht im Netz seit dem 23. März 2009 unter der freien Creative Commons Namensnennung-Weitergabe unter gleichen Bedingungen 3.0 Deutschland Lizenz.
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