Großes,
dankenswertes Datum!
Mit welcher genau bemessenen,
mit welcher professionellen Ökonomie
der Zeichen
öffnetest du
unseren beschränkten Blick
für den Stand der Dinge
unserer Welt!
Nur dreitausend und etwas
verballhornte Tote
aus der Portokasse
des Kommenden:
Seither wissen wir
das Faktum Peak Oil
und wissen wir den Namen
unseres neuen
amerikanischen Jahrhunderts.
Wer will da glauben,
die Abwicklung einer globalen
Hochkultur
geschehe in Samthandschuhen?
Oh ihr Großmeister der Dramaturgie
öffentlicher Meinung,
ihr habt bewiesen, was ihr könnt,
an einem goldenen Tag;
ihr Hexenmeister
diskreter Agenturen
und Dienste,
vor eurer Souveränität
beugen wir das Knie:
Ihr lasst Baustahl schmelzen
bei Kerzenlicht
vor aller Augen,
wie es euch gefällt.
Ihr schreibt die Gesetze der Physik
um
oder streicht die Evolution
aus den Kapiteln der Werdung
der Arten und Menschen.
Ihr lasst Personalausweise
aus brennenden Maschinen bergen
und Flugschreiber verschwinden
mit links.
Elfter September,
Du trägst die Handschrift
des Seniors,
des Unvaters,
des George Herbert Walker Bush,
des clandestinen tricksters
im Dienste des Dienstes,
des Lehrjahre
den Tod Kennedeys hatten
und operation northwoods:
nichts hat er vergessen.
Es ist seine Stunde,
da im Kreise der Macht
sich Sorge breitet,
denn niemand kann wie sie
die Zeichen lesen.
Vor dem Prospekt
tun kühne Pläne Not.
Wir beugen das Knie
vor eurem Mut
das Unsägliche zu tun,
wenn anders
das Steak
nicht zu retten ist.
Elfter September,
Festtag der Dienste,
du Karneval der Spins,
du Meisterwerk unter den psyops,
du grandiose performance
im öffentlichen Raum,
wer wollte seine Künste
messen an dir?
Wie du dich stundenlang entfaltest,
vor laufender Kamera,
die Abwehrkräfte vertüddelt
in zahlreicher Übung,
deren Matrix
dem Geschehen
so zum Verwechseln ähnlich,
so gespenstisch
koinzident;
Wie du den Knoten schnürtest
um deinen kataklystischen Höhepunkt,
begleitet von den Pointen
fallender Körper aus dem Stegreif -
das war große Kunst!
Doch dann:
welche dramatische Disziplin,
mit der du deine Kreise
um die Aschen zogst,
um den Schatz auch wirklich
Heim zu holen
gegen das Gemäkel
deiner kissenpupenden
Halbfeinde,
die Untersuchung
forderten.
Wie ewige Miesepeter
im Publikum eines starken Films,
die am Ende rufen:
"Und was war mit der Schwester
des Kollegen des Beraters?"
Nur Unbefriedigte
wollens so genau
und folgen nicht
dem großen Wurf.
Elfter September
du hast uns gelehrt,
wie groß die Macht der Wahrheit
ist.
Du hast uns gelehrt,
dass fürderhin
die Wirksamkeit des Mems
die bange Frage nicht scheuen muss.
Du Glockenschlag von höchster Höhe,
du läutest uns den Weg
in die Jahrhunderte
kommend, die dunklen.
Vergessen sei der Name
des Höhlenmannes
und seiner gedungenen Horde.
Geschissen sei auf deine
armseligen Opfer.
Geschissen auch auf die endlosen Listen
deiner unbeantworteten Fragen.
Pillepalle.
Gepriesen aber sei deine Klarheit,
gepriesen die Kühnheit deiner Urheber!
11. September,
vor deinem Licht
beuge ich das Knie.
Ode an den 11. September von Jens Wirsching steht im Netz seit dem 04. Dezember 2008 unter der freien Creative Commons Namensnennung-Weitergabe unter gleichen Bedingungen 3.0 Deutschland Lizenz.
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