Ode an die Teile der muslimischen Gemeinschaft
Djihad sagen sie, die ewigen Einpeitscher der gottlosen Christen. Djihad sagen sie und islamistischer Terrorismus: Nervernzerreißend huldigt Kleinmut Expertenmund abendlich am staatlich-rechtlichen Altar und sieht nicht am Morgen des Nachbarn freundlich verschlafenes Gesicht. Islamismus, du bist mir gefährlich wie jene elften September: von hinten. Real ist die Demütigung. Real die Wärme der Brüderlichkeit und real die archaische Folklore von Jungfräulichkeit und Schweinefleisch. Real der Riss: Tradition und Freiheit, Gesetz und Moderne teilend Stadt und Land, arm und reich und Mann und Frau, jung und alt, Sozialismus und Moschee, teilend in Welten ohne Brücke. Oh ich sehe euch, wie ihr bewahrt, was wir verloren, ins Werk setzend, wo wir versagten: Von uns ist nichts zu hoffen. Oh muslimische Gemeinschaft! Du hast Sunna und Schia wie evangelisch und katholisch. Konfessionen im Streit um die Macht: wie herrlich lassen auf eurem blutschweren Boden sich alle die dreißig- jährigen Kriege gleich grindigen Perlen- ketten einfädeln. Wie selbstvergessen folgst du in ewigen Gräben dem nimmermüden Teile-und-Herrsche! Was machst du es dem Westen so einfach? Was aussieht wie Macht ist das grimme Gesicht der Abhängigkeit! Vergiss die Vereinigten Staaten, Vergiss Europa! Was wären sie ohne Kuwait und Saudi- Arabien und Irak am persischen Golf? Was stehst du nicht auf gegen unsere Lakaien an deiner Spitze? In deiner Hand liegt das Gold dieser Erde, und täglich schlägt man sie dir ab. Oh muslimische Gemeinschaft! Wo sind deine Revolutionäre? Jene, die dich einigen über die Grenzen hinweg von Sunna und Schia und Stämmen und Sippen? Oh ich sehe dich treten aus deinem Schatten - verstummt die Scharmützel und bereit für die Schlacht! Ach von hier scheint alles so einfach! Sperr ab uns den Ölhahn, bestimme den Preis gemeinsam mit Russland und verteile deine Rendite allgemein und gerecht... Kaufen wirst du dir soviel du magst: Palästina aus der Portokasse. Da sitzt du am Hebel des Generalstreiks, ach, des globalen, an der Stirne den Lauf des Gewehrs in der Hand deines Bruders unter Vertrag mit den Gebietern der Western- Oil-Companies! Nimm in die Hände, was Gott, der Erhabene, in den Schoß deiner Erde vor Zeiten gesenkt! Greif zu den Waffen, die er dir gegeben! Da stehst du, verachtet, und rauchender Zorn schüttelt den Stolz deiner Jugend. Ach, ich kann dich doch sehen hintan stellen Israel und die Jungfräulichkeit deiner Töchter, ich kann dich sehen trachten nach der Rechnung mit jenen korrupten Vasallen westlicher Mineralöl-Gesellschaften, die dich mit schönen Reden und deine Kinder im Namen des Herren ausverkaufen! Ach, könnten wir Genossen sein, und würden nicht der Weihnachtsmann und Schweinefleisch und Osterhase und Imam und mein arbeitsloser Reichtum zu deinen arbeitslosen Lasten uns trennen wie die Zäune unserer Ghettos, an die wir zum Überfluss einander pissen. Pavlos von Zypern und Serda der Kurden: Genossen im Glanze der einen Idee! Sayid und Neco, entflohn einst den Häschern der türkischen Junta, und Hussein von der libanesischen Hisbollah, den Propheten neben Marx in deinem großen,jungen, zornentbrannten Herzen! Ach Genossen, wie leicht hat der eine, der stetige Wind uns verweht uns verweht uns verweht...
Ode an die Teile der muslimischen Gemeinschaft von Jens Wirsching steht im Netz seit dem 04. Dezember 2008 unter der freien Creative Commons Namensnennung-Weitergabe unter gleichen Bedingungen 3.0 Deutschland Lizenz.
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