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Yves Abgang 4

Mit Vollgas raste Yve die Kinderspielstraße entlang, wo weit hinten das stolze Haus ihrer Eltern stand. Sie wusste dermaßen genau, was jetzt zu tun war, dass sie kaum aushalten konnte, wie ewig Nebensachen dauerten. Sie schoss durch die Traube geladener Gäste, die bereits an ihren Fahrzeugen standen, um sich von den Gastgebern zu verabschieden. Yve bremste mit quietschenden Reifen, wie es sich gehört, und stieg strahlend über das ganze Gesicht aus. Sie lief von einem Onkel-Tante-Paar zum nächsten, wünschte gute Fahrt, war aufgedreht und sehr herzlich, dass die sich nur die Augen reiben konnten.

"Ich versteh das Kind nicht", seufzte die Mutter im Vorgarten. "Das ist doch ganz natürlich in dem Alter", versuchte sie ihr Mann zu beschwichtigen, und, "Sie wird ihren Weg schon finden", fügte der Onkel, den Yve eigentlich immer ganz gerne gemocht hatte, hinzu.

"Na, ihr müsst es ja wissen", lachte die Mutter. Yve hastete an den dreien vorbei ins Haus.

"Was sie jetzt wieder hat?" Mutter erhielt keine Antwort.

Chris hatte das ungute Gefühl, dass gleich etwas passieren würde, und immer, wenn sie dieses Gefühl hatte, dann passierte auch tatsächlich etwas, und es war meistens nichts sonderlich erfreuliches. Unsicher drängte sie sich an die Eltern, der Vater legte seine Hand auf ihre Schulter, und besorgt sah sie in den Korridor.

Nacheinander fuhren die Wagen ab, die Eltern winkten, es wurde zum Abschied gehupt, dann standen die beiden Arm in Arm da und konnten sich noch nicht von der soeben zu Ende gegangenen Szene lösen. Das besorgte Yve.

In Windeseile hatte sie alles mögliche in zwei gigantische Taschen gestopft, verzweifelt noch in Papas Werkzeugkasten nach Zwei-Komponenten-Kleber gesucht, den gefunden, und war dann wieder an der Haustüre erschienen.

"Was hast du denn nun wieder vor?"

Yve setzte die Taschen auf der obersten Stufe ab. "Ich fahr ein paar Tage zu Michèle." Sie umarmte, eh die sich's versahen, Papa und Mama, hob Chris hoch und drückte sie an sich. "Mach's gut, kleine Hexe", flüsterte sie der Schwester ins Ohr.

"Wer ist Michèle?", fragte Chris misstrauisch. Yve setzte sie ab, nahm ihre Taschen auf, drehte sich noch einmal um und erklärte: "Michèle? Na, Michèle!"

Dann marschierte sie zu Mamsel Pekoe, schmiss ihre Taschen hinten rein, den Motor an, wendete, klappte das Seitenfenster hoch und winkte noch einmal, warf wohl auch eine Kusshand, als sie nun langsam am Haus der Eltern vorbei fuhr.

Chris war auf die Straße gelaufen, um der großen Schwester hinterher zu winken. Dabei fühlte sie sich entsetzlich im Stich gelassen.

"Wer ist eigentlich diese Michèle?", fragte die Mutter, ohne wirklich eine Antwort zu erwarten.

"So etwas weißt du doch immer besser", entschuldigte sich der Vater und bemühte sich, ein unbesorgtes Gesicht zu machen. Später rief die Mutter bei René an, ob der wüsste, wer eigentlich diese Michèle sei. René wusste von keiner Michèle. Er klang am Telefon, als hätte er getrunken und entschuldigte sich mehrfach für irgendetwas.

Die Wahrheit war natürlich, dass es eine Michèle nicht gab.

 

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