(Quirie liegt am Boden. Sein Koma erlaubt ihm keine Regung. Mit ihrem Putztuch schrubbt Krümel herein. Sie nimmt Quiries Kopf in ihren Schoß, streichelt ihn...)
Krümel:
Kleines Kerlchen, was haben sie mit dir gemacht?
Aber da pfeift noch ein Atem.
Quirie, ich habe unseren Weg gefunden. Erinnerst du dich nicht? Wie deine Augen rollen!
(Sie entdeckt die Karaffe.)
Krümel:
Du Dummkopf! Weißt du denn gar nichts?
Quirie:
Nelke? Nelke...
Krümel:
Nein! Ich, Krümel. Erinnerst du dich?
(singt)
das traurigste Schlaflied für das traurigste Kerlchen, das sie kennt
Wenn dich der Atem dieser Welt
zu grauem Eis gefrieren lässt,
und wenn der Krebs der Zeit sich kalt
in deine weichen Seiten frisst...
Wenn der Mond, die bleiche Sichel,
den Alp in deine Träume ritzt,
und wenn in deinem Hinterstübchen
du dein eignes Blut verspritzt...
Wenn Schweineköpfe gierig lecken
am Saft, der deine Wunden näßt,
und wenn nach deinem letzten Mut
dich auch noch deine Wut verläßt...
Quirie:
Krümel. Du?
Krümel:
Erinnerst du dich?
Quirie:
Was sind das für Bilder?
Ich war auf einer großen Konferenz, da, und ich habe eine wichtige Rede gehalten.
Ich habe allen gesagt, was diese Welt braucht und gesungen, so, und dann haben sie alle geklatscht und ihre Hüte in die Luft geworfen: "Bravo Quirie, bravo!".
Und dann wurde mit einem mal alles so dunkel. Alles wurde so dunkel...
Krümel:
Das hast du geträumt, Quirie.
Quirie:
Nein Krümel, das war so... Sie haben alle...
Krümel:
Hör zu, Held! Wen sie für eine dumme Putze halten, die lassen sie überall hin.
Ich habe herausgefunden. Das erste ist der Weg nach draußen.
Quirie:
Ich kann im Moment gar nicht gehen.
Krümel:
Ich habe mich in die zentrale Wäscherei vorgeputzt. Dort liegen tausende von diesen Uniformen.
So, wie sie in mir nur die verblödete Putze sehen, so werden sie in uns nur Soldaten sehen.
Wir sagen: "Befehl ist Befehl!" und weg sind wir.
Ich habe das ausprobiert, es ist wie Karneval.
Quirie:
Du willst, dass ich mich selber verrate, dass ich mich zum Soldaten mache?
Außerdem sind Soldaten Vergangenheit. Ich habe das vorhin erledigt.
Krümel:
Quirie, ich habe ein Papier gefunden. Da steht drin, was sie mit unseren Leuten machen.
Quirie:
Ich weiß, die Fabriken. Das wird jetzt alles anders. Ich habe das mit dem Herrn besprochen.
Krümel:
Das wird allerdings sehr anders. Sie brechen die Leute! Die Kraft eines ganzen Lebens.
Und daraus machen sie genau das Zeug, was du hier gesoffen hast.
Quirie:
Was du redest, ist doch Dünnsinn! Sowas albernes. Das hier ist das Elexier, nichts anderes.
Krümel:
Übrig bleibt vom Menschen dann nur so gallertiger Schleim.
Das machen sie heiß, dann wird's hart, wie Glas.
Quirie:
Das ist gut, Krümel, das ist wirklich gut. Ich habe auch mal ein Buch gesehen, da...
Krümel:
Das ist wegen der Energie. Sie wollen jetzt aus Menschen Energie gewinnen.
Unsere Leute sollen sich freiwillig versaften lassen, weil die Einsätze im Äußeren Bereich selber zuviel Energie kosten!
Widerstand, Reibungsverlust, was weiß ich.
Quirie:
Freiwillig sagst du?
Krümel:
Freiwillig. Und das ist ihr einziges Problem dabei.
Die Fabriken sind längst umgerüstet.
Quirie:
Hör zu Krümel, du schmeißt da was durcheinander.
Ich habe eben alles ausführlich mit dem Herrn diskutiert.
Der ist schon in Ordnung, glaub mir. Und jetzt hör auf damit.
Krümel:
Er hat es selber unterschrieben. Du kannst es lesen, ich hab es hier.
Quirie:
Sind ja gar keine Bilder drin.
Hör, ich habe dem Herrn alle unsere Forderungen gestellt. Er hat zugestimmt.
Krümel:
Jetzt fängst du an zu spinnen.
Lass uns hier abhauen, bevor es schlimmer wird. Die Luft im Äußeren wird dir guttun.
Quirie:
Ich wär ja verrückt, jetzt zu gehen.
Verstehst du, ich kann hier was erreichen für die Leute draußen.
Hier kann ich etwas verändern.
Bald gehen die Fabriktore auf, und die Leute...
Du wirst deine Schwestern wiedersehen, Krümelchen.
Krümel:
(Brüllt) Ich werde meine Schwestern nicht wiedersehen! Ich war in den Fabriken. Da sind meine Schwestern nicht. Dann war ich in den Labors, verstehst du, und ich habe angefangen, zu kapieren. Meine Schwestern, ja Quirie, meine Schwestern sind vielleicht in dieser Flasche, begreifst du das endlich?
(Krümel holt Quiries Messer heraus.)
Quierie:
Ach das. Das kleine. Ich schenk es dir. Ich habe jetzt bessere Waffen.
Meine Worte sind jetzt meine Waffen.
Krümel:
Bitte, Quirie.
Quirie:
Ich bleibe. Ich habe ihm mein Wort gegeben. Und auf Quirie kann man sich noch immer verlassen.
Krümel:
Das merke ich. Was wird mit dem Stück Weg, das du mir versprochen hast?
Quirie:
Hat es uns nicht schneller und weiter voran gebracht, als wir uns je hätten träumen lassen?
Krümel:
Hör auf! Falls du's noch nicht weißt, dieser Herr hat auch Nelke.
Quirie:
Hast du sie gesehen? Wo ist sie? Krümel, was ist mit Nelke?
(Herein kommt der Herr. Krümel beginnt wieder zu schrubben.)
Herr:
Na Quirie, hast du deinen Rausch ausgeschlafen?
Quirie:
Geht so.
Herr:
Ich wollte nur sehen, ob ich hier nicht ein Papier hab liegenlassen. Ich kann es einfach nicht finden.
Quirie:
Ein Papier?
Herr:
Ach, nicht so wichtig.
Da ist ja schon wieder dieser stumme Fisch. Und putzt und putzt, als würde sie einen Dreck sehen, den keiner sonst sieht.
Quirie, wie hast du nur ihre Gegenwart ertragen?
Da muss man doch blöde werden. (Lacht.)
Mit Nelke hast du die bessere Wahl getroffen, Junge.
Aber in der Nacht sind alle Katzen grau, was?
Black.
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