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aus dem kopf... 11. Die neue Zeit

(Der Herr. Büddel und Bresel treten auf.)

Büddel:

Herr, Ihr habt mich...

(Bresel zieht Büddel zurück.)

Bresel:

Herr, Ihr habt mich gerufen?

(Büddel zieht Bresel zurück.)

Büddel:

Bresel muss sich immer vordrängeln!

Bresel:

Gar nicht wahr! Wenn du immer zurückbleibst!

Büddel:

Du hältst mich ja immer zurück!

Bresel:

Ja, dann halt dich doch mal selber zurück!

Büddel:

Du hältst dich ja auch nie zurück!

Bresel:

Mach ich ja wohl!

Büddel:

Ja, wenn's um's Arbeiten geht! Herr ...

Herr:

Meine lieben Soldaten, setzt euch doch.

Beide:

Jawohl, Herr.

Herr:

Meine Lieben, ist es nicht an der Zeit, dass wir nach all den Jahren der harten, aber fruchtbaren Zusammenarbeit dieses förmliche 'Sie' zu den Akten legen? Das klingt immer so distanziert.

Wir wollen uns doch mit unserer Arbeit mehr identifizieren.

Beide:

Jawohl, Herr, das förmliche 'Sie' zu den Akten.

Büddel:

Wo sind denn Eure Akten Herr, ich erledige das für Euch.

Herr:

Lieber Büddel, was ich meine: sagen wir doch 'Du' zueinander.

Beide:

Jawohl, Herr, sagen wir Du.

Herr:

Nicht Herr, Du.

Beide:

Jawohl, -- Du?

Herr:

Na?

Beide:

--?

Herr:

Da fühlt man sich doch gleich viel leichter. Jetzt sind wir eine Familie. Na?

Beide:

Jawohl, Du, viel leichter.

Herr:

Wollen wir darauf nicht anstoßen?

Beide:

Das Elexier!

(Der Herr schenkt aus.)

Herr:

Auf die Zukunft!

Beide:

Jawohl, -- Du, auf die Zukunft!

(Sie trinken.)

Herr:

Wisst ihr, ich möchte mit euch über unsere Beziehung sprechen. Ich bin damit gar nicht mehr glücklich.

Büddel:

Hab ich was falsch gemacht?

Herr:

Büddel, du brauchst dir keine Vorwürfe machen. Darum geht es nicht. Es ist diese Befehlerei. Das ist veraltet. Wir sind doch jetzt ein Team. Wir sitzen doch alle in einem Boot.

Beide:

Jawohl Du, Team im Boot.

Herr:

Seht ihr. Und da braucht es keine Befehle und keinen Gehorsam mehr. Da tut doch jeder ganz freiwillig, was getan werden muss.

Beide:

Jawohl Du, ganz freiwillig.

Herr:

Na also, ich wusste, wir würden uns verstehen. Und weil ihr von nunan alles ganz freiwillig tun werdet, verleihe ich euch den 'Orden der hervorragenden Freiwilligkeit'.

(Er steckt Ihnen die Orden an.)

Herr:

Lasst uns auf diesen feierlichen Augenblick die Gläser heben!

(Sie trinken auf die Orden.)

Herr:

Ach ich habe ein großes Problem.

Beide:

Hä?

Herr:

Na, ihr könntet jetzt zum Beispiel fragen, ob ihr mir vielleicht ein wenig helfen könntet.

Beide:

Jawohl Du, können wir - äh Dir - vielleicht bei Deinem Problem ein wenig helfen?

Herr:

Ich suche Männer, die mit gutem Beispiel voran gehen.

Beide:

Du, wir würden sehr gerne mit gutem Beispiel voran gehen.

Büddel:

Wohin denn eigentlich?

(Bresel knufft ihn.)

Herr:

In die Zukunft, lieber Büddel, in die Zukunft!

Büddel:

Au ja!

Bresel:

Und wo ist denn die Zukunft?

(Büddel knufft sie.)

Herr:

Das werdet ihr alles sehen, wenn es so weit ist.

Männer ich bin stolz auf euch! Ihr werdet freiwillig mit gutem Beispiel in die Zukunft vorangehen!

Ich danke euch. Wir sehen uns.

(Herr ab.)

Büddel:

Weißt du, was er meint?

Bresel:

Er ist so großzügig. Unser Du.

Büddel:

Ja, unser Du. Ich bin richtig aufgeregt.

Bresel:

Unsinn Kollege. Wir müssen jetzt einen kühlen Kopf bewahren. Wir tragen die Verantwortung.

Büddel:

Für die Zukunft und das alles.

Bresel:

Genau. Komm!

Büddel:

Du, Bresel.

Bresel:

Mhm.

Büddel:

Das ist so ein feierlicher Augenblick, und ich wollte dir schon immer mal sagen...

Bresel:

Büddelchen?

Büddel:

Ich wollte sagen, ich mag... Ich mag so gerne Käsebrötchen.

Bresel:

Das weiß ich doch.

Büddel:

Nein, Bresel. Ich wollte sagen ... magst du mich? Ich meine: Auch?

Bresel:

Büddelchen...

Büddel:

Ich mag dich nämlich. Ziemlich gerne auch.

Bresel:

Oh, Büddel! Wie ich mich freue! Büddel, wir beide! Ich mag dich wirklich auch!

Büddel:

Ist das wahr?

Bresel:

Büddel!

Büddel:

Bresel!

(Sie küssen sich. Singen:)

Lied vom Erstenmal nach all den Jahren

Beide:

Ach, so ein Kuss, von Kopf bis Fuß

durchfließt mich süßer Zuckerguss.

Schau ich tief in deine Augen,

lässt dein Herz mich an ihm saugen.

Bresel:

Deine Lippen, wie sie zippen

und an meinen Lippen nippen!

Wie ich rucke, wie ich zucke

im Geblubber deiner Spucke!

Büddel:

Lass mich rein, ach lass mich dein

rosaroter Schatten sein!

Mir würd ein kleines Zeichen reichen,

um nie mehr von dir zu weichen!

Beide:

Ach so ein Kuss, von Kopf bis Fuß

durchfließt mich süßer Zuckerguss.

Mir würd ein kleines Zeichen reichen,

um nie mehr von dir zu weichen.

(Die beiden ab.)

 

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aus dem kopf geschlagen von Jens Wirsching steht im Netz seit dem 25. November 2009 unter der freien Creative Commons Namensnennung-Weitergabe unter gleichen Bedingungen 3.0 Deutschland Lizenz.
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