Nelke:
(singt bei der Arbeit. Sie gestaltet das Fabriktor, drapiert davor Vorhänge, richtet darauf orange und lilane Scheinwerfer...)
Nelkes Liebeslied
Die Liebe ist ein wundersames Spiel,
und ist doch auch ein dunkles, wildes Tier;
sie frisst dir aus der Hand und so, denkst du!
Da packt sie dich auch schon in ihrer Gier.
Du denkst, du hast die Fäden in der Hand,
da zuckt sie einmal, hör doch, wie sie lacht:
schon hängst du selbst am viel zu festen Band,
hörst, wie ihr Widerhaken in dein Seelchen kracht...
Vorbei Ihr Nächte, öden Tage,
Stunden langer Einsamkeit!
Vorbei, vorbei; was war, das war,
vergessen sei die triste Zeit!
Morgen werd ich meinen Liebsten
endlich, endlich wiedersehn!
Mein Liebster ist der schönste Mann,
und morgen werd ich mit ihm gehn.
Wohin er will, das schert mich nicht,
mich kümmert seine weiche Haut,
mich kümmert nur sein Milchgesicht,
und morgen werd ich seine Braut!
Die Liebe ist ein wundersames Spiel
sie fesselt dich mit ihrem roten Band,
grad war sie zuwenig, schon wird sie zuviel,
schon hat sie dein Herz zu Asche verbrannt.
(Herein gerannt kommt Krümel, nicht mehr putzend.)
Krümel:
Nelke! Nelke, sie suchen mich überall! Wir haben keine Zeit. Wir müssen fliehen!
Nelke:
Ausgerechnet du! Kommst ja mal wieder sehr gelegen.
Tut mir übrigens leid, wegen neulich. War wirklich nicht so gemeint.
Krümel:
Nelke, sie sind mir auf den Fersen. Ich habe Soldaten-Uniformen besorgt.
Wir müssen hier raus, bevor es zu spät ist.
Nelke:
Du bist ja... Das ist ja alles Blut!
Krümel:
Das war der Herr. Ich musste mich wehren!
Nelke:
Du hast...
Krümel:
Ich musste mich wehren! Ich wollte gar nicht stechen. Auf einmal... Er hat... Lass uns weg hier!
Nelke:
Du bist ja krank! Du bist ja total krank!
Krümel:
Nelke, ich kann nicht warten!
(Sie beginnt, sich umzuziehen.)
Ich werde dir alles erklären. Komm, mach endlich!
Nelke:
Du bist doch total geistesgestört! Weißt du überhaupt, was du getan hast? --
Du hast mir alles zerstört! Ich war so weit, alles hat so gut geklappt, ich war so nah am Ziel...
Und du kommst daher und zerstörst alles. Immer zerstörst du mir alles! Alles, alles!
Du, du, weißt du, was ich dich könnte, du miese, kleine Versagerin...
Und wenn ich dich selber vor's Tribunal schleifen muss...
(Beginnt an Krümel rumzuzerren.)
Nein, so leicht geht das nicht, so leicht kommst du mir nicht davon!
Krümel:
Lass mich! Ich muss fort!
(Herein Bresel. Krümel ist grad mal halb umgezogen.)
Bresel:
Soso. Hier steckt also unsere kleine Messerstecherin. Möchtest wohl auch gerne mal eine Soldatin sein, was? Kann ich verstehn, hast du dir aber leider selber vermasselt, meine Kleine. Daraus wird nichts.
Krümel:
--
Bresel:
Na, komm her, hast ja nochmal Glück gehabt. Unser Herr lebt nämlich noch.
Nelke:
Er lebt? Oh Gott, bin ich erleichtert!
Bresel:
Unter uns: Unkraut vergeht nicht. (Lacht.)
Ach, ich bin so glücklich! Ihr glaubt gar nicht, wie schön das Leben sein kann.
-- Da braucht ihr nicht so zu glotzen, ihr Grünschnäbel, auch ein alter Hut kann glänzen, jawohl! --
Aber abführen muss ich dich trotzdem, meine Kleine. Befehl ist Befehl.
Der Herr kann es scheinbar kaum erwarten, dich wiederzusehen.
-- Versteht ihr die Welt? Na, ich auch nicht.
Komm schon Kleine, wer will sich mit Schlägen den Tag verderben?
(Sie stößt Krümel raus.)
Krümel:
Nelke! Nelke!!
Nelke:
Da sieh mal schön selber zu, wie du da wieder rauskommst!
black.
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