(Quirie und Krümel werden hereingebracht.)
Herr:
Nun, Quirie, ich sehe dich beeindruckt.
(Quirie spuckt auf den Boden.)
Herr:
Nana. Sieh dich ruhig um in deiner neuen Umgebung. Du wirst dich an sie gewöhnen müssen.
Quirie:
--
Herr:
Dieses Glas ist nicht wirklich Glas. Es ist aus den kostbarsten Rohstoffen gewonnen. Kein Silizium, kein Quarz, es besteht aus einem wertlosen Gallert, einem industriellen Abfallprodukt, das wir in einen neuen Produktionszyklus einspeisen konnten.
Die gallertartige Masse wird unter enormen Drücken und Temperaturen in einen festen Aggregatzustand verpresst...
Es wirkt vielleicht ein wenig kühl, aber es erlaubt eine gute Sicht.
Quirie:
Ich finde Glas zum Kotzen.
Herr:
Wie war das?
Quirie:
Ich finde Sie und Ihren polierten Scherbenhaufen hier zum Kotzen.
Büddel:
(Will auf Quirie los.)
Herr:
Lassen Sie die Finger von Quirie, Soldat. Hier darf jeder seine Meinung sagen.
Wir sind doch freie Menschen.
Büddel:
Sehr wohl, Herr. Jeder seine Meinung...
Herr:
Ruhe!
Büddel:
Jawohl.
Quirie:
Wenn wir hier so frei sind, dann können wir ja gehen.
Herr:
Was hindert dich?
(Quirie will aufstehn, Büddel macht ihn runter.)
Herr:
Ah, ich verstehe! Du lässt dich von diesem albernen Hohlkopf zwingen?
(Lacht. Bresel lacht auch. Der Herr trinkt.)
Herr:
Ich muss schon sagen, ich habe mir Quirie ganz anders vorgestellt!
Ich dachte immer, was Quirie will, das tut er auch!
Quirie:
Mach ich ja auch!
(Will aufstehn, wird runtergedrückt.)
Herr:
(Lacht. Trinkt.)
Ich muss schon sagen! Na, Krümelchen Unglück, willst du denn auch so gerne zurück auf die Straße wie dein mutiger Freund?
Krümel:
--
Quirie:
Ja klar will die auch weg hier!
Herr:
Nun lass mich doch auch mal mit deiner kleinen Freundin reden. Hat sie denn kein Recht, ihre Meinung zu sagen?
Krümelchen, ich habe gehört, du hättest deine lieben Schwestern verloren...
Dabei bist du doch noch so jung, so jung!
Krümel:
--
Herr:
Erschütternd! Aber jetzt hast du ja einen tapferen Begleiter gefunden, der dich beschützt...
Quirie:
Genau, lassen Sie sie in Ruhe!
Herr:
...wenn er nicht gerade schläft.
Quirie:
Ich hab nicht geschlafen!
Herr:
Ach nein?
Quirie:
--
Herr:
Na Krümel, trink erstmal einen Schluck, das wird dir gut tun.
(Er tränkt Krümel, die spuckt aber aus. Sie greift in das Elexier am Boden, riecht daran, schüttelt sich, berührt es wieder mit Händen. Der Herr wirft ihr ein Schnupftuch hin. Krümel beginnt zu putzen.)
Herr:
Na, du putzt wohl gerne? Das ist gut, da hast du hier viel zu tun, was?
(Er lacht und trinkt einen Schluck, gießt ein wenig auf den Boden.)
Herr:
Ein wenig schweigsam, die Kleine. Bist du ein Fisch?
Quirie:
Krümel! Wir rühren keinen Finger für den!
Herr:
Sie putzt eben lieber, als mit uns zu plaudern.
Jeder Mensch hat seine eigenen Vorstellungen. Das muss man akzeptieren.
Quirie:
Krümel!
Herr:
Bresel, führen Sie sie raus!
Bresel:
Jawohl, Herr.
Herr:
Warten Sie. (Gibt ihr einen Schluck.) Hier, Soldat, Sie sind richtig.
Bresel:
Danke Herr, Danke.
(Die beiden ab.)
Büddel:
Das Elexier!
Herr:
Und Sie gehen auch.
Büddel:
Jawohl, Herr.
(Büddel ab.)
Quirie:
Krümel! -- Sie verwarzte Glasfresse, wenn Sie glauben, Sie Scherbenhaufen einer verrotteten Dynastie...
Herr:
Quirie. Ich könnte dich und deinen Krümel unverzüglich in die Laboratorien einweisen lassen.
Quirie:
Fabriken.
Herr:
Ich sagte Laboratorien. An deiner Stelle würde ich mir deine Protesthaltung also gut überlegen.
Quirie:
Und ich könnte Sie auf der Stelle ...
(Quirie stellt fest, dass sein Messer nicht bei ihm ist.)
Herr:
Erstechen?
Quirie:
Erwürgen!
Herr:
Ach ja? Nur keine falschen Hemmungen.
(Er kommt ganz dicht an Quirie ran.)
Jetzt sind wir doch unter uns. Na los, versuchen kostet nichts, junger Mann. (Tja.)
Mach dir nichts draus. Vielleicht findet sich ja eine bessere Gelegenheit.
Hier, trink einen Schluck.
(Tut der natürlich nicht.)
Gut. Wie du willst. Mit Meckern kommst du jedenfalls nicht weiter.
Quirie, wenn es dir hier nicht passt, dann such dir eine Aufgabe, übernimm Verantwortung und versuche, etwas zu verbessern.
Quirie:
Hier stinkt's.
Herr:
Vielleicht hast du recht. So kommen wir nicht weiter. Man sollte niemanden zu etwas drängen, was seiner Natur nicht entspricht. Du brauchst ja nicht zu putzen.
Quirie:
Eher würd ich in die Ecken scheißen!
Herr:
In dir lodern die Flammen, du kannst mit Worten wahre Feuerwerke entfachen. In deinen Liedern steckt soviel Phantasie und zugleich soviel Wahrheit, dass es die Menschen tief bewegt.
Quirie:
Sind Sie sicher, dass Sie das so beurteilen können?
Herr:
Zum Dichter bist du geboren. Deine Reden sollen der Menschheit den Busen öffnen!
Da kannst du kritisieren und schwärmen, ohne dass die Fesseln der Wirklichkeit dein Herz schnüren dürfen!
Das ist deine Freiheit, Quirie.
Quirie:
Freiheit ist unteilbar. Alle oder keiner.
Herr:
Und wir anderen werden dich lieben, weil du uns gibst, was wir verloren.
Das Krümelchen, Nelke, sogar ich, Quirie, alle werden dich lieben.
Quirie:
Nelke?
Herr:
"Wenn der Mond, die bleiche Sichel, den Alp in deine Träume ritzt, und wenn in deinem Hinterstübchen du dein eignes Blut verspritzt..." Das ist unsagbar schön.
Quirie:
Ach was, kitschige Kinderscheiße, das müsste viel härter kommen.
Herr:
So? Quirie, zuerst möchte ich von dir ein trauriges Lied hören. Ruhig auch etwas kritisch. Wolln sehn, ob du hältst, was ich mir von dir verspreche. Ich glaube an dich.
(Herr ab.)
Quirie:
Nen Dreck werd ich für dich tun, du Blutsäufer! -
Nelke! So ein mieser, billiger Trick. Wie kommt dieser Zigarillo an meine Lieder?
Black.
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